Exkursion in die Haverlahwiese
am 11. Juli 2026
Das ehemalige Tagebaugebiet bei Gebhardshagen war das Ziel unserer diesjährigen gemeinsamen Exkursion mit dem Botanischen Arbeitskreis Nordharz (BAK), die von Dr. Florenz Sasse geleitet wurde. Da dies die 25. gemeinsame Exkursion der beiden Vereine war, gab Dr. Hans-Ulrich Kison vom BAK eine kurze Einführung zu den Anfängen der gemeinsamen Unternehmungen, die direkt nach der Wende 1990 begannen, aber erst am 20. Mai 2000 zu den jetzt etablierten gemeinsamen Exkursionen führten. Herr Kison betonte die unkomplizierte Zusammenarbeit nach der Wende, die von Anfang an völlig frei von dem üblichen Ossi-Wessi-Gerede gewesen sei. Dies wurde auch von Hilde Reinecke bestätigt, die die herzliche Zusammenarbeit von damals lobte. Die regelmäßigen gemeinsamen Exkursionen wurden nur in den Corona-Jahren 2020 und 2021 ausgesetzt.
Die 30 angereisten Teilnehmer machten sich dann auf die Wanderung, die zuerst über den Hackelnberg führte, zu einem Vorkommen des Deutschen Ziest (Stachys germanica). Dies ist eine in der Roten Liste als stark gefährdet eingestufte Art (RL2), die auf dem Hackelnberg ein bedeutendes Vorkommen hat. Eine weitere dort vorkommende, gefährdete Art (RL3) ist das Zierliche Labkraut (Galium pumilum). In der Nähe fand sich eine vermutliche Hybride zwischen Weißem Labkraut (Galium album) und Echtem Labkraut (Galium verum), das Gelblichweiße Labkraut (Galium x pomeranicum). Beide Elternteile sind dort häufig. Weiter am Feldweg zur Haverlahwiese gab es ein üppiges Vorkommen des Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum), eine Art, die ebenfalls stark gefährdet ist (RL2). In der Nähe blühten das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis) und die hübschen Glocken der Nesselblättrigen und der Pfirsichblättrigen Glockenblume. Eine dritte Art dieser Gattung erregte dann unsere besondere Aufmerksamkeit, die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus), eine ozeanisch-verbreitete Art, die weiter östlich nicht mehr vorkommt.
Als wir in die ehemalige Tagebaugrube hinabgingen, machten wir einen Halt an einem kleinen Teich mit einigen halophilen Arten: Gewöhnlicher Salzschwaden (Puccinellia distans), Salz-Schuppenmiere (Spergularia marina), Salz-Binse (Juncus gerardi) und Salz-Teichsimse (Schoenoplectus tabernaemontani). Da diese Pflanzen auf eine Salzbelastung des Teiches hindeuten, demonstrierte Herr Sasse den erhöhten Salzgehalt des Wassers über eine Leitfähigkeitsmessung, die 3,1 mS ergab. Das entspricht einem Salzgehalt von ca. 2 g/L und ist mit dem Gehalt in der östlichen Ostsee vergleichbar. Am Teichrand wuchs eine Segge, die zuerst als Fuchs-Segge (Carex vulpina) angesprochen wurde. Sie entpuppte sich dann als Falsche Fuchs-Segge (Carex otrubae). Nomen est omen. Auf dem Teichwasser schwimmend gab es untypische Blätter eines Wasserhahnenfußes (Batrachium), der dem Artenkomplex Ranunculus aquatilis/trichophyllus zuzuordnen ist. Im Wasser erkannten wir untergetauchte Sprosse von Armleuchteralgen. Diese werden nach neueren molekularphylogenetischen Untersuchungen zu den höheren Pflanzen gestellt. Wir konnten ein paar Exemplare fischen und vorläufig als Gewöhnliche Armleuchteralge (Chara vulgaris) bestimmen. Insgesamt wurden in den Teichen der Haverlahwiese erstaunlich viele Chara-Arten (5) entdeckt, darunter 2 salztolerante, die Raue Armleuchteralge (Chara aspera) und die Brackwasser-Armleuchteralge (Chara canescens). Beide sind in der Roten Liste der Kategorie 1 zugeordnet, d.h. sie sind vom Aussterben bedroht. In der Umgebung des Teiches wuchs die Raue Nelke (Dianthus armeria), eine RL3-Art. Sie ist durch die zunehmende „Ausräumung der Landschaft“ und das daraus resultierende Verschwinden ihrer bevorzugten Standorte bedroht.
Am Weg auf der östlichen Seite der Tagebaugrube bewunderten wir die Breitblättrige Ständelwurz (Epipactis helleborine), eine spätblühende Orchidee, und prächtige Exemplare der Mehligen Nachtkerze (Verbascum lychnitis), eine Art, die im Messtischblattbereich der Haverlahwiese bislang nicht gefunden wurde. Über den östlichen Zufahrtweg machten wir einen Abstecher zum Boden der Grube, in der sich viele Teiche befinden, die z.T. eine 5-fach höhere Salzbelastung aufweisen als der erste untersuchte Teich. In diesen Teichen finden sich einige seltene Amphibien-Arten, wie Kamm-, Berg- und Teichmolch u.a. Botanisch interessant sind die wegen der Salzbelastung eher spärlich bewachsenen Bodenflächen. Hier gab es als hübsch anzusehende Besonderheit viele rote Blüten des Kleinen oder Zierlichen Tausendgüldenkrauts (Centaurium pulchellum) und das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica), das gerade dabei war, seine gelben Blütenköpfchen zu öffnen. Beide sind salztolerante Arten. An weniger salzbelasteten Stellen kam auch das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) vor. Nach dem Besuch der Grube setzten wir unseren Rundgang fort und fanden an der Nordostecke des Gebietes ein schattiges Plätzchen für eine kleine Mittagspause. Hier wuchs auch der Blut-Ampfer (Rumex sanguineus), der frische bis feuchte Waldwegränder liebt.
Nach der kurzen Pause ging es zu einem Damm, der auf die westliche Seite der Tagebaugrube führt. Da von dort der südliche Teil der Grube gut zu überblicken ist, gab Herr Sasse gleich im östlichen Teil des Dammes eine Einführung in die Geologie und die Geschichte des Bergbaus in der Haverlahwiese. In den Jahren von 1937 bis 1982 wurden hier 81 Mio t Eisenerz gefördert, im Tagebau von 1937 bis 1967 und im Tiefbau von 1938 bis 1982. Das geförderte Eisenerz stammt aus einer bis zu 100 m mächtigen Schicht des Hauterive, einer Stufe der Unterkreide, die 110 Mio Jahre zurückliegt. Das Erzlager entstand im Küstenbereich eines Meeres und liegt als sogenanntes Trümmererz vor, das mechanisch durch die Meeresbrandung entstand, oder als oolithisches Erz, das sich durch Eisenhydroxid-Ausflockungen bildete. Von Bergleuten wird es als Kaviarerz bezeichnet. Da die Schichten des Erdmittelalters hier senkrecht aufgerichtet sind, konnten die oberen 100 m des Hauterive-Erzes im Tagebau abgebaut werden. Um der Schicht weiter in die Tiefe zu folgen, waren Schachtbauten nötig. Nach Einstellung der Erzförderung wurde noch bis 2007 Bergematerial aus dem Schacht Konrad in die Grube verbracht. Danach wurde das Gelände renaturiert und unter Naturschutz gestellt. Durch die Senkrechtstellung der geologischen Schichten befindet man sich auf der Ostseite der Grube auf Schichten des Unteren Jura. Eine Leitfossilie ist hier Pleuroceras spinatum, ein Ammonit, den Herr Sasse herumreichen konnte. Nachdem wir über den Damm auf die Westseite gegangen waren, hatten wir die Schichten des Oberen Albium der Unterkreide erreicht und damit eine Zeitreise von ca. 100 Mio Jahren hinter uns.
Auf der Westseite des Dammes fanden wir viele Sträucher des Sanddorns (Hippophae rhamnoides) und als weitere Raritäten das Ungarische Habichtskraut (Hieracium bauhini) und das Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides). Beide Arten zeigen stickstoffarme Standorte an, die wegen der hohen Stickstoffemissionen immer seltener werden. Als letztes Highlight entdeckten wir dann noch einige Exemplare der Händelwurz (Gymnadenis conopsea). Auf dem Rückweg auf der Westseite der Grube gingen wir durch einen ausgedehnten, nährstoffarmen Halbtrockenrasen, auf dem im August zahlreiche Fransenenziane blühen. Aber dafür waren wir 4 Wochen zu früh.
Eine gemütliche Runde bei Wasser, Kaffee und Käsekuchen am Kiosk in Gebhardshagen bildete dann den Abschluss unserer 25. gemeinsamen Exkursion.
Text: Florenz Sasse
Fotos: Ulrike Bosse, Agnes-M. Daub, Katharina Hillebrecht
Kräuterwanderung am Steinberg
Am Sonntag, dem 21. Juni 2026, trafen sich vierzehn Personen von Naturwissenschaftlichem Verein und Museumsverein und ein Gast, der am Museumstag an der Kräuterchallenge teilgenommen hatte, zur Kräuterwanderung am Steinberg, um die Heilkräuter auch in der Natur zu finden. Der Weg ging zunächst westlich über den Großen Königsweg mit Aussicht auf den Granestausee und den Verlorenen Berg und dann im Kleinen Schüsseltal aufwärts zur Bergwiese und über die Steinbergstraße mit einem Abstecher auf den Königsberg zurück zum Aussichtspunkt.
Es wurden viele der aus der Challenge bekannten Kräuter gefunden und auch weitere, zu denen Ulrike Bosse und Anke Schulze viel Wissenswertes erzählen konnten.
Wir fanden und besprachen Beifuß, Nelkenwurz, Brennnessel, Roten und Schwarzen Holunder, Weidenröschen, Maiglöckchen, Rainfarn, Schafgarbe, Braunwurz, Salbeigamander, Frauenmantel, Fingerhut, Braunelle, Sauerklee, Knoblauchsrauke, Tollkirsche, Klettenlabkraut, Wurm-, Frauen- und Dornfarn, Fingerhut, Huflattich, Spitzwegerich und Efeu, Tüpfeljohanniskraut und Rotklee.
Interessant ist, dass die Heilwirkung der Kräuter auf Sekundären Pflanzenstoffen beruht, die die Pflanzen eigentlich als Selbstschutz entwickeln, die aber im Menschen Wirkung erzielen, weil im Lauf der Evoulution entsprechende Rezeptoren gebildet wurden.
Das Kräuterwissen wurde jahrhundertelang angesammelt, angewendet und weitergegeben und fand seinen Weg in Medizin und Pharmaindustrie. In Pflanzen finden sich entzündungshemmende, antibakterielle und auch spasmolytische Inhaltsstoffe, sogar Phytohormone und antidepressive Wirkstoffe sowie berauschende Stoffe. Viele Organe reagieren auf die pflanzlichen Wirkstoffe, und manchmal ist die Schwelle zum Giftstoff niedrig.
Es ist also Vorsicht geboten, aber es ist auch gut zu wissen, dass ein Brei aus frisch gekautem Spitzwegerich unterwegs gegen die Folgen eines Insektenstichs helfen kann.
Vor dem Zaun, der das Gelände des ehemaligen Sanatoriums am Königsberg heute aus Sicherheitsgründen umschließt, berichtete zum Abschluss Karen Ullrich vom Museumsverein über die Geschichte dieses Ortes. Vom Altersruhesitz eines Goslarer Industriellen im ausgehenden 19. Jahrhundert mutierte das Häuserensemble zum Erholungsort für geschwächte Arbeitnehmer, später speziell für Tuberkulose-Infizierte, noch später für geistig behinderte Kinder. Mit einem ersten Brand in 1984 nach der Schließung der letzten Anstalt begann der Weg zum Lost Place, von dem aktuell nach weiteren Bränden und Zerstörungen nur noch das ehemaligen Doktorenwohnhaus steht. Weil am Königsberg inzwischen ein Wasserschutzgebiet vorliegt, soll das ganze Plateau völlig rückgebaut und der Natur zurückgegeben werden.
Text: Agnes-M. Daub
Fotos: Ulrike und Bernd Bosse, Katharina Hillebrecht, Anke Schulze, Agnes-M. Daub
Fotos: Ulrike Bosse, Katharina Hillebrecht, Mathias Koch, Annelen Christ, Agnes-M. Daub
Frühjahrswanderung im Harly
Am 18. April 2026 trafen sich zur Frühjahrswanderung im Harly insgesamt 20 Personen, davon 13 Mitglieder des NWV und 7 Gäste, am Wiesenparkplatz südlich des Klosterguts Wöltingerode. Die Wanderung startete um 10:30 bei herrlichem Frühlingswetter und führte durch das Klostergut über die Landstraße 510 vorbei am ehemaligen Forsthaus zum Weg am Südrand des Harly. Von hier aus ging es, immer entlang des Waldrandes, ca. 2 km nach Westen bis zur Brücke über die Wedde und danach über den nach Südost abknickenden beidseitig mit Hecken bestandenen Feldweg zurück zum Ausgangspunkt, den wir nach etwa drei Stunden erreichten.
Der Frühling ist die Zeit der Geophyten. Sie überwintern unter der Erde und haben Speicherorgane, um nach Ende des Winters schnell Sprosse mit Blättern und Blüten zu bilden. Die Blüten dienen der Fortpflanzung, die Blätter müssen schnell für neue Nährstoffe sorgen, bevor das Laub der Bäume eine effektive Photosynthese am Waldboden unterbindet. Zu diesen Geophyten gehören das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), das Wurzelknollen als Speicherorgane besitzt, und Windröschen und Veilchen, die Rhizome als Stärkespeicher nutzen. Im Harly haben wir beide Windröschen-Arten angetroffen, das Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) und das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides). Bei den Veilchen gab es im Wald 2 Arten: das Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) mit einem dunkelvioletten Sporn und an feuchteren Stellen das Hain-Veilchen (Viola riviniana), das einen weißlichen Sporn hat. Da es auch eine Hybride zwischen beiden Arten gibt, ist die Bestimmung manchmal schwierig. Ein weiterer Geophyt mit einem Rhizom ist die Große Sternmiere (Rabelera holostea), ein weiß blühendes Nelkengewächs mit tief eingeschnittenen Kronblättern. Die Blüten sind 5-zählig und in einem Dichasium angeordnet. Der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) besitzt eine Zwiebel als Speicher. Ein sonderbarer Geophyt mit einer Zwiebel ist der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum), dessen Blütenstände eine Fliegenfalle bilden. Die gefangenen Fliegen werden erst wieder in die Freiheit entlassen, wenn sie die weiblichen Blüten in der Falle bestäubt haben. Ein Geophyt, der noch nicht blühte, den man aber von weitem riechen kann, ist der Bär-Lauch (Allium ursinum). Er ist wegen seiner Schwefel-haltigen Inhaltsstoffe bei Köchen beliebt. Erfreulicherweise fanden wir dann noch einen weiteren Geophyten blühend vor, die Einbeere (Paris quadrifolia).
Neben den Geophyten blühen im Frühling auch ein- und mehrjährige Arten, die als Samen oder als Pflanze überwintern. Dazu gehören die verschiedenen Taubnessel-Arten. So fanden wir die Weiße (Lamium album), die Purpurrote (L. purpurea), die Gefleckte (L. maculatum) und die Stängelumfassende Taubnessel (L. amplexicaule) und die verwandte Echte (Galeobdolon luteum) und die Silberblättrige Goldnessel (Galeobdolon argentatum). Ausdauernde Arten sind das Dunkle Lungenkraut (Pulmonaria obscura), die Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) und das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla verna). Einjährig sind die verschiedenen kleinen Ehrenpreis-Arten: Hecken- (Veronica sublobata), Efeu- (V. hederifolia), Persischer (V. persica) und Glänzender Ehrenpreis (V. polita). Der Gamander-Ehrenpreis (V. chamaedrys) dagegen ist eine mehrjährige Art. Die Taubnesseln und Ehrenpreise blühen nicht nur im Frühling. Man findet die Blüten den ganzen Sommer über. Auffallende gelbe Farbtupfer außerhalb des Waldes stammten von den vielen Köpfchen des Löwenzahns (Taraxacum Sect. Ruderalia). Jedes einzelne dieser Köpfchen besteht aus bis zu 200 Zungenblüten, die nach der Befruchtung die vielen mit Schirmchen versehenen Früchte der Pusteblume bilden. Das Speicherorgan des Löwenzahns ist die Pfahlwurzel. Eine Pfahlwurzel besitzt auch die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), eine zweijährige Art, die in letzter Zeit wieder als Küchengewürz entdeckt wird. Gefunden haben wir auch eine für den Harly typische Art, den Purpurblauen Steinsamen (Buglossoides purpureocaerulea). Allerdings hatten die Pflanzen noch keine Blüten ausgebildet. Dafür müssen wir dann wohl in ein paar Wochen wiederkommen.
Das schöne Wetter mit herrlichem Sonnenschein und Temperaturen um 20°C hat auch Insekten und andere Wirbellose hervorgelockt.
Zu den auffälligsten Arten im Frühjahr gehört Pyrrhocoris apterus (Feuerwanze), die als adultes Tier überwintert und sich in der Nähe einer ihrer Nahrungspflanzen (Linde) schon auf dem Gelände des Klostergutes und auf dem geteerten Weg zum ehemaligen Forsthaus beobachten ließ. Am Weg entlang des südlichen Waldrandes waren häufig Dolycorris baccarum (Beerenwanze) und seltener Coreus marginatus (Lederwanze) zu beobachten. Während Dolycoris polyphag ist (d. h. Sie nutzt zahlreiche Pflanzarten aus verschiedenen Familien als Wirtspflanzen), lebt Coreus an Ampfer-, seltener an Knöterich-Arten.
Auf Löwenzahnblüten und anderen Pflanzen waren auch die ersten vor kurzem aus dem Ei geschlüpften Larven von Pholidoptera griseoaptera (Gemeine Strauchschrecke) zu sehen. Diese Laubheuschrecke hat (wie die meisten unserer Arten) eine mehrjährige Embryonalentwicklung, was ihr ermöglicht, ihre Larvalentwicklung schon frühzeitig im Jahr zu beginnen.
Auch etliche Käferarten ließen sich beobachten. Zu den auffälligsten gehörten zwei gesetzlich geschützte Arten, Meloe proscarabaeus (Ölkäfer, ein überfahrenes und ein lebendes Exemplar) und Cetonia aurata (Rosenkäfer, zwei Individuen). Die Larven des Ölkäfers leben als Parasitoide in den Nestern verschiedener Wildbienen, die des Rosenkäfers als Engerlinge in Totholz, Komposthaufen u. ä.
Zwei Marienkäferarten waren, meistens beim Sonnenbad auf Blättern zu beobachten, häufig Coccinella septempunctata (Siebenpunkt), selterner Propylaea quatordecimpunctata (Vierzehnpunkt oder Schachbrett-Marienkäfer)
Zu den Blattkäfern gehören Chrysomela populi (Pappelblattkäfer)und Oulema obscura (Blauhalsiges Getreidehähnchen), das nicht nur an Getreide, sondern auch an zahlreichen weiteren Grasarten lebt.
Der Breitrüssler Platyrhinus resinosus, von dem wir ein Exemplar auf dem Gelände des Klostergutes fanden, lebt dagegen an verpilztem Holz verschiedener Laubbäume.
An Tagfaltern waren Gonepteryx rhamni (Zitronenfalter), Aglais io (Tagpfauenauge), Anthocharis cardamines (Aurorafalter), Weißlinge (Pieris spec.), Issoria lathonia (Kleiner Perlmuttfalter), Boloria euphrosyne (syn. Clossiana euphrosyne, Früher Perlmuttfalter) und Celastrina argiolus (Faulbaum-Bläuling) zu beobachten. Am bemerkenswertesten ist der frühe Fund von Boloria euphrosyne, der als einzige der registrierten Arten auf der Roten Liste Deutschlands (Status 2, stark gefährdet) steht. Die Art ist auf lückige Wälder mit Vorkommen ihrer Futterpflanzen, vor allem Viola riviniana und V. reichenbachiana (s. o.), angewiesen. Die Art wurde bereits von Max (siehe Jubiläumsband des NWV von 1977, damals noch unter dem Namen Clossiana euphrosyne) für den Harly gemeldet.
Eine auffällige Erscheinung im Frühjahr sind auch die Männchen von Aglia tau (Nagelfleck), von denen einige in raschem Flug am Waldrand nach Weibchen suchten.
Aus der Gruppe der Hautflügler waren Ameisen der Gattungen Formica und Lasius und verschiedene Bienenarten u. a. der Gattungen Bombus (Hummeln), Osmia (Mauerbienen), von denen mehrere Weibchen ihre Nester in einen Baumstumpf anlegten, und Nomada (Wespenbienen) häufig zu beobachten. Die Hummeln gehörten meistens zum Erdhummel-Komplex, der bei uns aus vier Arten besteht, die morphologisch nur schwer oder gar nicht unterscheidbar sind.
Einige häufige Erscheinung waren Vertreter der Hummel- oder Wollschweber (Bombyliidae), die sich am Waldrand im Falllaub oder auf dem Boden sonnten. Hummelschweber sind mit mehreren Gattungen und etwa 40 Arten in Deutschland vertreten, die im Gelände meist nicht auf Artebene bestimmt werden können. Die Larven leben parasitisch, oft in den Nestern von Wildbienen, artspezifisch aber auch von anderen Insekten.
Als weitere Vertreter der Zweiflügler ist noch ein Paar Märzfliegen (Bibionidae) erwähnenswert, das im Falllaub zu finden war.
Typische Bewohner des Falllaubes sind Wolfsspinnen der Gattung Pardosa, von denen mindesten zwei Arten am Südrand des Harly vorkommen, außerdem wurde noch ein großes Weibchen der Gattung Trochosa gefunden.
Als Abschluss soll noch die Sichtung einer halbwüchsigen Waldeidechse (Zootoca vivipara) erwähnt werden, die sich an einem Baumstamm nahe des ehemaligen Forsthauses sonnte.
Text: Dr. Florenz Sasse, Mathias Koch
Fotos: Dr. Florenz Sasse, Dr. Agnes-M. Daub, Katharina Hillebrecht, Sabine Bönig
Die Großpilzflora des Harly
von Hans Manhart
Der Naturwissenschaftliche Verein Goslar e. V. hat den 16. Band seiner Mitteilungen herausgegeben. Diese Reihe wurde einst gegründet, um das besondere und umfassende Wissen der Vereinsmitglieder festzuhalten.
Hans Manhart ist studierter Kunstpädagoge und freier Maler, war Hochschuldozent und Gymnasiallehrer. Schon seit Kindertagen haben ihn Pilze fasziniert, und seit mehr als 40 Jahren malt er alle seine Funde, sodass eine große Zahl wunderbarer Pilztafeln entstanden ist. Hans Manhart ist geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) und ehrenamtlicher Kartierer für Großpilzarten im Nationalpark Harz.
Im Band 16 der Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar stellt er die Pilze im Harly (Gebirgszug bei Vienenburg) vor und zwar retrospektiv, also die Summe aller Funde aus etwa 40 Jahren. So ist die überwältigende Zahl von 923 Arten zusammengekommen, von denen etwa ein Drittel auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.
Leider sind Waldschäden und ein Artenrückgang in den letzten Jahren nicht zu übersehen, Hans Manhart äußert seine Gedanken dazu und weist auf die Schutzwürdigkeit des Gebietes hin.
Das umfassende Werk mit 476 Seiten ist illustriert mit 100 der wunderbaren Bildtafeln von Hans Manhart und 76 Fotos. Nachdem die erste Ausgabe bereits vergriffen ist, ist es nun erhältlich beim Verlag Book on Demand (BoD), ISBN-13:978376312706, zum Preis von 34,99 €.
Text: NWV Goslar
2. März 2023
Dieser Vortrag nach unserer Jahreshauptversammlung erfreute das Publikum so sehr, dass Florenz Sasse sich bereit erklärt hat, diesen als Video bereit zu stellen. Wegen der Größe der Datei gibt es einen ersten und einen zweiten Teil.
Dies ist der Link zum ersten Teil: https://1drv.ms/v/s!AthCLk8FaaXigaBzLG3LMftBsIqwSA?e=fXmbMZ
Dies ist der Link zum zweiten Teil: https://1drv.ms/v/s!AthCLk8FaaXigaB1a1yHFpKIjaU8ww?e=ttgdCJ
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10. August 2022
Im Goslarer Museum ist seit gestern das zweite Obergeschoß des Hauptgebäudes wegen Baumaßnahmen zum Brandschutz für Besucher geschlossen. Damit ist auch die Fossilienausstellung des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar "Auf den Spuren des Lebens" bis auf weiteres leider nicht zugänglich.